Der Countdown läuft

Der Countdown läuft - noch werden Bahnhöfe renoviert, Autobahnen herausgeputzt und manch ein Schauplatz wird erst gebaut.

Aber schon zum Jahreswechsel geht es los: 53 Städte des Ruhrgebiets schließen sich zusammen für das Projekt RUHR.2010. Essen und das Ruhrgebiet sind dann Europas Kulturhauptstadt. Gezeichnet wie keine zweite durch Kohleförderung und Stahlproduktion, hat die Region einen beispiellosen Wandel hinter sich.

2010 werden die Bürger sie nun als werdende Metropole präsentieren - und anderen Regionen weltweit ein Beispiel geben für den Wandel von der Industrie- zur Kulturregion. Bodenständig, neugierig und geradeheraus, so sind die Bürger des Ruhrgebiets, 5,3 Millionen Menschen leben hier. Für sie alle soll RUHR.2010 die große Bühne sein. Sie zeigen, was sie können, was sie haben, wer sie sind. Dafür stehen ihre kulturellen Symbole, zum Beispiel die einzigartige Museumsdichte, die faszinierenden Industriedenkmäler, die renommierten Bühnen, die für viele noch immer unerwartet grüne Natur. Die Menschen Europas sind eingeladen, sich das anzuschauen.

 

Schauplätze der Ruhrtriennale sind die einzigartigen Industriedenkmäler des Ruhrgebiets – unter anderem die Zeche Zollverein in Essen, der Landschaftspark Duisburg-Nord, die Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck oder die Jahrhunderthalle Bochum –, Das Programm der Kulturhauptstadt füllt den gesamten Kalender für das nächste Jahr. Aus der Mitte der Bevölkerung kamen etwa 2.000 Ideen für Projekte, Aufführungen, Installationen. Eine Kulturhauptstadt-Jury hat daraus die besten ausgesucht. Manche werden nur einen Tag lang zu erleben sein, andere dauern einige Wochen, sind ganzjährig zu sehen oder werden sogar zu Dauereinrichtungen über 2010 hinaus. Immer noch werden neue Ideen in den Zeitplan aufgenommen und schaffen es neue Anlässe unter den Scheinwerferkegel, den RUHR.2010 jetzt schon wirft. Übersichtlich einordnen kann man sie anhand ihrer Ausdrucksform. Wo kann man Bilder entdecken, Feste feiern, Bühne erleben, Kunst erfahren und Musik erleben? Eine kleine Vorschau zeigt es: Bilder stehen zum Beispiel im Essener Museum Folkwang im Vordergrund. Der im Januar eröffnende Neubau des Architektenbüros David Chipperfield ist allein schon sehenswert, ab März ist dann die erste Ausstellung im Folkwang zu besichtigen. "Das schönste Museum der Welt" heißt die Schau, die den Blick zurückwirft in die Anfänge des Essener Folkwangs in den 1930er Jahren. Bilder von Kandinsky und Matisse, Kirchner und Marc, Munch und Beckmann hingen damals in Essen, doch in der Nazizeit wurden 1.400 von ihnen in alle Welt verkauft. Nun kehren sie für eine Ausstellung zurück. Die Gegenwart des Ruhrgebiets wird eine Fotoausstellung zeigen. "Ruhrblicke" heißt die Schau im SANAA-Kubus auf dem Zollverein-Gelände. Elf international bekannte Fotografen aus Deutschland, darunter Hilla Becher, Laurenz Berges, Andreas Gursky und Candida Höfer haben fotografiert, was für Sie das Ruhrgebiet von heute kennzeichnet. Ganz weit zurück geht dagegen die Schau "Aufruhr 1225! - Ritter, Burgen und Intrigen". Sie zeigt vom 27. Februar bis zum 28. November 2010 das Ruhrgebiet auch - allerdings vom Jahr 1225 bis zur letzten großen Ritterschlacht im Mittelalter. Eine spannende Zeitreise mit über 800 Exponaten im Museum für Archäologie in Herne. Zu einem guten Fest gehört immer auch Gesang - bei RUHR.2010 singt gleich das ganze Ruhrgebiet. Daher ist eigens dafür ein Festtag ausgerufen worden: "Sing! Day of Song" heißt es, wenn am 5. Juni 2010 alle singen: 600 Chöre mit mehr als 22.000 Sängern haben sich angemeldet, werden Lieder schmettern, in Innenstädten, auf Veranstaltungen, in Parks, Kauf- und Opernhäusern, am Bahnhof oder in der Kirche - kurz: überall wo es gewünscht ist. Das Abschluss-Konzert in der Veltins-Arena auf Schalke setzt den Schlusspunkt des Tages, mit sage und schreibe 65.000 Sängern. Wer im Ruhrgebiet zu Gast ist, könnte die A40/B1 für eine normale Autobahn halten. Das ist sie aber nicht. Die Achse im Revier, an der sich unter anderem Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund aufreihen, gilt als die "Lebensader des Ruhrgebiets". Hier pulsiert der Verkehr 24 Stunden am Tag. RUHR.2010 lässt sie innehalten. Am 18. Juli 2010 wird die A40 gesperrt für ein Begegnungsfest der Alltagskulturen. Auf 60 Kilometern werden dann Tische aufgestellt und die Menschen, die sonst rechts und links der Autobahn im Ruhrgebiet wohnen, feiern zusammen ein Fest der Kulturen, Generationen und Nationen. Jeder soll ein Stück Kultur beitragen, ob Gesang, Tanz, Musik, Kabarett, Theater oder Lesung. Und das Feiern geht weiter: Beim Melez zum Beispiel, dem Kulturfestival vom 15. bis 31. Oktober 2010 in Bochum. Hier wird das Zusammenleben der vielen Nationen gefeiert, die im Ruhrgebiet leben. Tanz-, Musik- und Literatur-Aufführungen gehören ebenso dazu wie Mode, kulinarische Spezialitäten und heiße Diskussionen darüber, wie das interkulturelle Leben im Ruhrgebiet zukünftig aussehen soll. Die Bühnen in der Kulturhauptstadt werden Hochbetrieb haben. Da ist zum einen das "Theater der Welt 2010", ein Theater- und Tanzfestival vom 1. bis zum 18. Juli 2010, das sich im Schauspiel Essen und dem Theater an der Ruhr in Mülheim mit der Zukunft von Kunst, Politik und Identität auseinandersetzen wird. Ein typisches RUHR.2010-Projekt ist die "Odyssee Europa". Auch hier zeigt das Ruhrgebiet seine ganze Kompetenz. Theater in Bochum, Dortmund, Essen, Mülheim, Moers und Oberhausen zeigen ein Thema, Homers "Odyssee", aber von sechs Autoren neu erzählt. Eine Bühnenreise durch das Ruhrgebiet.

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